| Mein Praktikum in Rumänien |
|
Ich befinde mich in einer kleinen rumänischen Stadt: Sigishoara. Es ist früher Vormittag und ich stehe auf der Spitze des Hügels um den herum die Stadt gelegen ist. Hinter mir steht eine kleine Bergkirche und vor mir liegt eine Mauer mit einem Eisentor. Durch dieses Tor betrete ich den Friedhof von Sigishoara auf dem seit Jahrhunderten die Bewohner des Städtchens begraben wurden. Grosse, alte Bäume beschatten die Gräber, welche sich dicht gedrängt über fast den ganzen Hang erstrecken. ![]() Ich lese die Inschrift des ersten Grabes, ein deutscher Name, eine deutsche Inschrift. Auch auf dem nächsten Grab erwartet mich eine deutsche Inschrift und auf dem nächsten und übernächsten: Mehr als 1500km weg von zuhause stehe ich auf einem Friedhof auf dem fast nur Deutsche begraben sind. Ein fast irreales Erlebnis, dass ich da in dieser kleinen rumänischen Stadt hatte und doch typisch für dieses faszinierende Land. Rumänien ist ein Land der Vielfalt und der verschiedensten ethnische Minderheiten. Hier lebten und leben Rumänen, Deutsche, Ungarn, Ukrainer, Kroaten, Roma und viele mehr, wenn auch gewiss nicht völlig konfliktfrei, so doch meistens friedlich nebeneinander. Geführt hat mich in dieses spannende Land ein Praktikum mit AIESEC. Ich hatte mich für ein Praktikum im Personalbereich interessiert und war offen für jedes Land - nur „anders“ sollte es sein. In Rumänien fand ich schließlich ein passendes Praktikum: Ich sollte den Personalentwicklungsbedarf des Unternehmens bestimmen, passende Trainings entwickeln und durchführen, sowie den Erfolg der Fortbildung messen. Es handelte sich um einen erfolgreichen rumänischen Mittelständler, ein Handelsunternehmen das auf Elektronik Komponenten spezialisiert ist. Ich selbst arbeitete an dessen Hauptsitz in Cluj-Napoca. ![]() Im Rahmen der Vorbereitung besuchte ich eine Interkulturelles Vorbereitungs-Seminar besucht, das mir im Rückblick sehr geholfen hat mich auf die kulturelle Herausforderung des Auslandspraktikums einzustellen. Bezüglich der Anreise habe ich mich für einen Linienbus entschieden. Die Reise war mit 27 Stunden zwar kein Pappenstiel, dafür aber recht günstig und gab mir viel Zeit mein Leben in Deutschland hinter mir zu lassen und mich ganz auf Rumänien einzustellen. Aber auch die längste Reise geht irgendwann zu Ende und als ich schließlich am Busbahnhof von Cluj-Napoca ankam, erwartete mich bereits eine Gruppe gut gelaunter Studenten. Auch im weiteren Verlauf stellten sich die Rumänen als sehr herzlich und gastfreundlich heraus. Mit den Studenten die ich durch AIESEC kennen lernte, habe ich vom Videoabend, über Picknick am See bis zum Besuch anderer rumänischer Städte (Stichwort „Hitchhiking“ in Rumänien fast ein öffentliches Transportmittel!) alles gemacht was in 2 Monaten möglich war. Aber auch an den Wochenenden an denen ich mich auf eigene Faust aufgemacht hatte, habe ich viele nette Menschen kennen gelernt und so habe ich mich in diesem Land nie einsam oder nicht willkommen gefühlt. ![]() Ein zentraler Teil der Erfahrung war sicherlich die Arbeitserfahrung im Unternehmen. Die anspruchsvollen Aufgaben in der Personalentwicklung forderten sowohl mein praktisches Können als auch mein akademisches Wissen. Dabei hatte ich eine junge und professionelle Chefin, die mir bei der Einarbeitung in das neue Umfeld sehr geholfen hat. Besonders spannend fand ich auch die Tatsache, dass die meisten meiner Kollegen Teil der ungarischen Minderheit des Landes waren und mir so noch mal eine neue Perspektive auf Rumänien geben konnten. Als ich nach 9 Wochen schließlich meine Koffer packte, nahm ich auch eine Vielzahl an neuen Freundschaften, Erfahrungen und Eindrücken mit nach Hause. Ich habe mich in dieser Zeit auf der professionellen Ebene weiterentwickelt, aber auch auf einer sehr persönlichen Ebene profitiert. So kann ich eine Praktikum in - oder auch nur eine Reise nach - Rumänien jedem wärmstens ans Herz legen: Es lohnt sich! Eberhard S. AIESEC Praktikant 2005 Wenn ihr Kontakt zu unseren Praktikanten aufnehmen wollt, schreibt uns, wir versuchen den Kontakt dann herzustellen. |